Paul und Virginie

“An dem östlichen Abhang des Berges, welcher sich hinter Port Louis auf Ile-de-France erhebt, sieht man auf einem früher angebauten Felde die Trümmer von zwei kleinen Hütten. Sie liegen beinahe in der Mitte eines von großen Felsen gebildeten Beckens, welches nur nach der Nordseite hin einen Ausgang hat. Links erblickt man den Entdeckungsberg, von dessen Gipfel aus die an der Insel landenden Schiffe durch Signale angekündigt werden, und am Fuße des Berges die Stadt Port Louis, rechts den Weg, der von Port Louis nach dem der Pampelmusen führt, dann in der Mitte einer weiten Ebene emporragende Kirche des Viertels, mit ihren von Bambus beschatteten Zugängen, und noch weiterhin einen Wald, der sich bis zum weiteren Ende der Insel erstreckt. Vor sich am Meeresufer sieht man die Grabesbucht, ein wenig rechts das Unglückskap, und darüber hin das weite Meer, in dem sich einige unbewohnte Inselchen nur wenig über die Wasseroberfläche erheben; unter anderem der sogenannte Richtkeil, der einem von Wogen umspülten Bollwerke gleicht. Am Eingang dieses Beckens, von dem das Auge so viele Eindrücke empfängt, wiederholt das Echo der Berge beständig das Rauschen des durch die umliegenden Wälder wehenden Windes und das Brausen der Wellen, welche sich an den fernen Klippen brechen; aber in der Nähe der Hütten herrscht vollkommene Stille; ringsum sieht man nur hohe Felsen, steil wie Mauern. An ihrem Fuße, in den Spalten und selbst auf den Gipfeln, woran sich die Wolken lehnen, wachsen einzelne Baumgruppen. Häufige Regenfälle, durch die Spitzen angezogen, malen oft auf den grünen und braunen Wänden die Farben des Regenbogens und nähren die Quellen des Latanenbaches. Friedliche Ruhe erfüllt den ganzen Raum, alles ist milde: Luft, Wasser und Licht…”

So beginnt die Liebesgeschichte von Paul et Virginie, die 1788 von Jaques-Henri Bernardin de Saint-Pierre aufgezeichnet wurde und die kleine Insel im Indischen Ozean weltberühmt machte.

Die Geschichte handelt von zwei Kindern, die bei ihren alleinstehenden Müttern in einem abgelegenen Tal aufwachsen und Spielkameraden sind. In der Jugend entdecken sie ihre Liebe füreinander; da jedoch wird Virginie zu einem Erziehungsaufenthalt nach Frankreich geschickt.

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Denkmal der Liebenden Paul et Virginie

Vor Sehnsucht nach Paul vergehend, schifft sie sich auf der “St Géran” nach Mauritius ein, aber das Schiff zerschellt an den Klippen im Nordosten der Insel. Paul verfolgt das Drama vom Ufer aus und stirbt an gebrochenem Herzen.

Wahrheit oder Fiktion?

Als hätten Paul & Virginie wirklich gelebt, kann man den Spuren des Paares noch heute über die Insel folgen. In Port Louis und Curepipe sind ihnen Denkmäler errichtet worden und im Botanischen Garten von Pamplemousses findet man sogar das “Grab” des Mädchens. Nach ihnen sind Hotels und Restaurants benannt worden und man findet auch Illustrationen des Buches als alte Stiche oder auf T-Shirts gedruckt.

Der Roman wurde in dreißig Sprachen übersetzt, sogar in Esperanto.

Weiterlesen?

Sie müssen das Buch nicht mal mehr kaufen, eine Internetverbindung langt schon, um dieses auf der Gutenbergseite des Spiegels zu lesen:
Paul & Virginie