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Noch ein kritischer Reisebericht

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Noch ein kritischer Reisebericht

Beitragvon kestrel » Mo Jan 23, 2006 18:16

Die Vorteile eines Reiselandes sind in den animierenden Reiseführern im Stil der Verherrlichung beschrieben, die Nachteile werden meist verschwiegen und erzeugen bei den Verführten oft zu Enttäuschung oder gar Frust.

Vorwort:

Wer –
- sich gerne vor dem Urlaub mit den romantisch-kitschigen Bildern aus dem Urlaubsprospekt eine paradiesische Trauminsel vorstellt und sich diese Bilder nicht verderben lassen möchte
- gerne eine riesengroße Suite bewohnt, in welcher man sich lediglich zum Waschen und Schlafen aufhält
- gerne lesend am Strand oder Pool den ganzen Tag über im Liegestuhl liegt
- sich gerne im klimatisierten Ausflugsbus zu den so genannten Sehenswürdigkeiten fahren lässt
- es toll findet, am Abendbuffet im Indischen Ozean Schwarzwälder Kirschtorte zu schlemmen
- dafür gerne umgerechnet 200 bis 300 Euro pro Tag (ungefähr das Doppelte des Monatslohns vieler Zimmermädchen) bezahlt

der möge sich das Studium der weiteren Zeilen getrost sparen.

Reisezeit: 4 Wochen im November -Dezember 2005
Wir haben den Transport und die Unterkünfte vor Ort selbst organisiert und dabei im Westen (Flic en Flac), im Südwesten (Morne) und im Osten (Trou d’eau douce) gewohnt und von dort aus jeweils zu Fuß auf ausgedehnten Wanderungen (mit Unterstützung des öffentlichen Bussystems) die Umgebung erkundet. Die restlichen Gebiete wurden auf Tagesausflügen besucht.

Fazit für ungeduldige Leser:

Um es vorwegzunehmen –
Es gibt viele Urlaubsziele mit spektakuläreren Natursehenswürdigkeiten (Landschaften, Pflanzen, Tiere, Strände, Meerwasser, Wanderwege usw.)
oder anspruchsvolleren Kultursehenswürdigkeiten (Gebäude, Kirchenbauten, Museen, Denkmäler, usw.), aber das Besondere auf Mauritius sind die liebenswürdigen Menschen mit ihrer außerordentlichen Toleranz gegenüber dem Fremden, der anders aussieht und anders denkt. Die entscheidende Frage ist, ob man bei einem Urlaub nach Katalog diese wundersame Entdeckung überhaupt machen kann.

Landschaftsbild:

Flache Ebenen (vor allem im Norden und im Zentralland) sowie kegelförmige Vulkanberge prägen das Landschaftsbild. Tropische Vegetation (z.B. Regenwälder) ist praktisch keine mehr vorhanden, da diese von den Holländern schon vor 400 Jahren vernichtet wurde. Palmengesäumte Strände gibt es nur innerhalb der Hotelanlagen, am normalen Strand stehen ausschließlich Nadelbäume.
Optisch am reizvollsten ist meines Erachtens der Südosten von Tamarin über Morne Trabant bis Baie du Cap.

Stadtbild:

Die Urlauberressorts sind leider kein Maßstab für die mauritische Baukunst, da es sich um völlig künstliche Welten handelt. Der Beruf des Architekten oder gar eines Stadtbaumeisters scheint auf Mauritius nicht zu existieren und es wird ganz pragmatisch nach ökonomischen Kriterien (billig) gebaut. Die Häuser bestehen aus Stahlbetonskeletten mit Wänden aus Hohlblocksteinen, in der Regel unverputzt und ohne Farbanstrich. Als Folge dessen schauen die Wohnsiedlungen nicht gerade reizvoll aus.
Allgemeine Anmerkung zur Baukultur: Die toskanischen Dörfer sehen nur deshalb so romantisch aus, weil jedes Haus, selbst wenn es noch so verfallen ist, mit einem ziegelroten Satteldach bedeckt ist.

Ökologie:

Land:

Auf den ersten Blick erscheint das Land sehr grün. Sehr große Teile – praktisch jeder freie Quadratmeter, der noch nicht für Besiedlung genutzt ist – sind mit Zuckerrohr bepflanzt. Nach der Ernte sind die Felder kahl (Stoppelfelder) oder abgebrannt, die übrige Zeit jedoch saftig grün, so dass auf den ersten Blick die Insel als angenehm fruchtbar erscheint. Ökologisch gesehen stellen die Zuckerrohrplantagen riesige Monokulturwüsten dar. Man muss sich das so vorstellen, als wenn ganz Deutschland nur mit Mais bepflanzt wäre. Im Übrigen habe ich noch nie so viele leere weggeworfene Kanister mit Atrazin (Herbizid, seit 1991 in D verboten) in der Landschaft rumliegen sehen.
Müll in der Landschaft ist leider, wie im Forum schon vielfach beklagt, ein generelles Problem, da die Einwohner von Mauritius den Müll am liebsten durch das offene Autofenster entsorgen. Wir haben zu unserem Entsetzen beobachtet, wie die Busschaffner auf der letzten Fahrt am Abend den Abfallkorb mit dem ordentlich gesammelten Müll zur offenen Bustür in die Natur hinausbefördern.


Luft/Lärm:

An den hotelbestückten Stränden herrscht teilweise ein hohes Aufkommen an Motorbooten, deren Außenbordmotoren ölgeschwängerte Abgasschwaden verursachen. In Stadtgebieten ist der Lärmpegel nachts leider relativ hoch (Hund, Hähne, Mopeds).

Wasser:
Behandeltes Trinkwasser ist anscheinend überall (noch) verfügbar. Große Mengen Süßwasser aus den Flüssen verbraucht die Bewässerung der Zuckerrohrfelder sowie der Golfplätze.
Abwasser:
Ich konnte keine einzige Kläranlage entdecken. Es gibt viele Küstenorte, in denen es furchtbar nach Kloake stinkt, vor allem auf dem in den Reiseführern als sehr romantisch beschriebenen Südteil der Ostküstenstraße (zwischen Flacq und Mahébourg) durchfährt man manche Orte besser mit zugehaltener Nase. Neue Awasserknäle (ins Meer) sind gerade in Bau.

Meerwasser / Unterwasserwelt:

Wie mittlerweile fast überall auf der Welt, ist direkt an der Küste, d.h. vom Strand aus, beim Schnorcheln nicht all zu viel zu sehen. Es gibt Korallen und Fische, Urlauber die jedoch vor anderthalb Jahrzehnten am gleichen Ort waren, sind vom offensichtlichen Artenrückgang erschrocken.

Insgesamt kann man jedoch den Küsten mit den Touristenzentren im internationalen Vergleich noch eine relativ gute Badewasserqualität bescheinigen.

Achtung: Alle Küsten sind mit Seeigel verseucht, d.h. sobald sich im Sandstrand ein Stein oder Fels befindet, sind diese mit langstachligen Seeigeln besiedelt. Badeschuhe oder Flossen und besondere Vorsicht, vor allem bei Ebbe, sind daher zum Baden unerlässlich.

Besonders positiv fällt auf, dass alle Strände prinzipiell öffentlich zugänglich sind (mit ganz wenig Ausnahmen), so dass man oft kilometerlange Strandspaziergänge unternehmen kann.

Klima:

Im November und Dezember waren sehr angenehme Temperaturen mit gelegentlichen Niederschlägen (meist nachts) ohne Schwüle durch den stetigen Südostpassat. In diesen Monaten stören auch fast keine Stechmücken, außer wenn nachts mal der Wind einschläft.


Achtung: Die Sonne scheint erbarmungslos von senkrecht von oben und viele Urlauber erkennen in der angenehm kühlenden Brise die Gefahr nicht.


Gesellschaft:

Auffällig ist die extrem hohe Bevölkerungsdichte (ca. 600 Einw. / km2), womit Mauritius unter den ersten 11 Staaten weltweit liegt.
Die Städte, die sich von der Hauptstadt Port Louis (155.226 Einwohner) ins Binnenland ziehen (Beau Bassin-Rosehill (110.822 Einwohner), Vascoas-Phoenix (106.761 Einwohner), Curepipe (84.200 Einwohner), Quatre Bornes (80.961 Einwohner)) gehen nahtlos ineinander über und bilden zusammen eine Megasiedlung.
Sehr erfreulich ist die Tatsache, dass es auf Mautirius – im Gegensatz zu vielen anderen Ländern – funktionierende Familien gibt, d.h. es fällt sofort auf, dass die Väter in ihrer Freizeit bei der Familie sind und sich intensiv um die Kinder kümmern. Es gibt anscheinend weinig Kriminalität und so gut wie keine Bettler (seltene Ausnahme in der Hauptstadt Port Louis). Es ist deshalb überhaupt kein Problem, sich völlig frei im ganzen Land zu bewegen.
Händler am Strand sind nicht penetrant und lassen sich durch ein einfaches aber bestimmtes „No merci, Monsieur“ oder „No thank you“ leicht zum weiterziehen bewegen.

Bevölkerung:
Sehr bunte Mischung in Aussehen, Kultur, Kleidung, Religion, die z.B. beim Picknick am öffentlichen Strand erstaunlich dicht nebeneinander ihre Verschiedenartigkeit ausleben. Dies zeugt von einer recht hohen Toleranz dem Fremden gegenüber.
Die Menschen sind sehr ruhig, zurückhaltend, gelassen und freundlich.

Essen und Trinken:
Aufgrund der ungesunden Ernährung der armen Schichten (Zuckerrohr und Maniok) weist Mauritius eine der höchsten Diabetesraten (> 10% der Bevölkerung) der Welt auf.
Die Ernährung für Touristen ist unproblematisch, da es fast alle Lebensmittel zu moderaten Preisen zu kaufen gibt. Es gibt kaum Schweinefleisch (wg. Moslems) und Rindfleisch (wg. Hindus) dafür umso mehr Hähnchen oder Fisch. Mein wirklich einziges Ernährungsproblem ist das Brot, da es wie in Frankreich nur Baguette oder runde Weißbrötchen gibt. Müsli (Nestle, Weetabix) ist extrem teuer und lagert nur für die Touristen in den Supermärkten.
Die Mauritier ernähren sich hauptsächlich von Reis mit Linsen und Hähnchen oder Fisch, Pfannkuchen (Farata) mit Kürbismus, gebratenen Nudeln.
Wasser und Bier sind günstig. Die Einheimischen trinken gerne Rum mit Cola (man beachte die mengenmäßige Reihenfolge).

Verkehr/Transport.
Die einzig wirkliche Plage auf Mauritius sind die Taxifahrer, da es viel zu viele davon gibt und viele versuchen, Touristen zu neppen. Gut die Hälfte des gesamten Verkehrs auf der Insel entsteht durch leer umherfahrende Taxis auf der verzweifelten Suche nach Kunden.
Das öffentliche Bussystem funktioniert sehr zuverlässig und preisgünstig. Außerdem bietet die erhöhte Sitzposition eine gute Aussicht, während man aus einem Auto meist nicht über Zuckerrohrpflanzen hinwegblickt.
Von Mietwagen rate ich ab, da der Fahrer nur damit beschäftigt ist, die meist enge und kurvenreiche Straße zu treffen (Linksverkehr), den Weg zu suchen oder den einheimischen Rasern (Überholen trotz Gegenverkehr ist leider üblich) auszuweichen.

Unterkünfte:
Es gibt nicht allzu viele, dafür aber eine sehr breite Bandbreite an Unterkünften:
Kategorie Preis in € für 2 Personen / Nacht
Luxus-Ressorts (siehe Urlauberkataloge) 400-1600 €
Mittelklasse-Ressort 200-400
Mitteklasse-Hotel 50-100
Apartment, Studio, Bungalow von privat 30-50 *
in guter Lage ohne Verpflegung
Apartment, Studio, Bungalow von privat ca. 15 **
in Stadtlage ohne Verpflegung
* Diese Kategorie, die von uns bevorzugt wird, ist meist mit Stammgästen belegt, die schon lange im Voraus reservieren.
** Hier muss man gewöhnlich Abstriche bei der Sauberkeit, vor allem im Bad/WC, machen.

Noch ein paar Bemerkungen zu ausgewählten Sehenswürdigkeiten:
Wie in anderen Teilen der Welt dient die Ausweisung eines Nationalparks oftmals nur dem zukünftigen Schutz der Landschaft oder der Beantragung von Fördergeldern. Der Nationalpark „Black River Gorges National Park“ sollte eher den Namen „Taxidriver-National-Park“ tragen, da man als Wanderer nur auf den von Taxis überschwemmten Straßen zu den Ausgangspunkten der Wanderungen gelangt.
Ile aux Cerfs
Wie auf den Infoseiten dieser Webseite schon angedeutet, ist dieses von Reiseführern verherrlichte Ausflugsziel sehr kommerziell vermarktet und meiner Meinung nach nicht sehr attraktiv. Der angeblich herrliche Sandstrand entpuppt sich als seichte Sandbank zum Planschen, jedoch zum Schwimmen oder Schnorcheln sind die Strände relativ ungeeignet und am schmalen Landstreifen zwischen Strand und Golfplatz liegt wieder mal zu viel Müll.
Die Domaine du Chausseur als privater Wildpark bietet vor allem eine lohnenswerter Aussicht auf die Küste mit dem vorgelagerten Riff. Der Kestrel in der Hand des Vogelschützers wurde hier fotografiert.
Der an sich schöne botanische Garten Pamplemousse wird leider durch den Zubau von zoologischen Elementen (Riesenschildkröten und Rehe) verfremdet.
In der Hauptstadt Port Louis sollte man die Markthallen am frühen Samstagmorgen besuchen solange die Händler ihre Stände füllen und noch keine Menschenmassen durch die Gänge drängen.

So, das reicht fürs Erste. Um Missverständinissen vorzubeugen, möchten wir betonen, dass wir trotz aller geschilderten Einschränkungen wohl bald wieder nach Mauritius reisen werden.
Ich freue mich über eine konstruktive Diskussion wenn jemand ähnliche oder ganz andere Erfahrungen gemacht hat.

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Beitragvon Tommy » Mo Jan 23, 2006 19:41

Hallo kestrel,

na ja, so wirklich negativ finde ich Deinen Bericht gar nicht (abgesehen von den Herbiziden, vielleicht).
Wir dürfen nicht vergessen, dass MRU nach wie vor Entwicklungsland ist.
Du erwähnst richtig die funktionierende Familienstruktur (auch wenn, wie unser Taxifahrer erzählte, die jungen Menschen bei der Auswahl ihres Ehepartners nicht unbedingt immer frei sind). Erwähnenswert finde ich auch die medizinische Versorgung.
Klar, Monokulturen sind nicht erstrebenswert, aber eine Diversifizierung muss sich ein Land erstmal leisten können. Man versucht aber, auch andere Erwerbsbereiche anzusiedeln, siehe Cyber City. Nicht umsonst war MRU letztlich in einer Untersuchung auf Platz 1 als best-geführtes Entwicklungsland.

Was die touristischen Erwartungen des Einzelnen betrifft, meine ich, dass derjenige, der sich auf bunte Prospekte verläßt ohnehin gestraft gehört. Zur Reisevorbereitung gehört m.E., dass man alle Quellen einschließlich etwa holidaycheck.de nutzt, dann erfährt man wenig Überraschungen.
Auch was ein Land zu bieten hat, läßt sich vorab erkunden. Auch dieses Forum ist ein Paradebeispiel.
Der Müll ist zwar nicht schön, aber woanders (auch in Europa) durchaus nicht selten.
Deine Auffassung, beim Schnorcheln sehe man nicht so viel, teile ich nicht. Direkt am Strand konnten wir schon Baby-Muränen beobachten, Drückerfische und andere sind auch in Strandnähe anzutreffen. Mit dem Boot kurz hinter dem Riff abgesetzt waren sogar Riesendrückerfische zu beobachten, Fischschwärme und vieles mehr. Klar, mit dem Tauchen ist das nicht zu vergleichen, aber ich finde, Schorchler kommen auf ihre Kosten.
Seeigel gibt es natürlich, aber die gibt's auch im Mittelmeer.

Aber insgesamt, so meine ich, ist Deine Kritik gar nicht so schlecht. Letztlich fährt aber jeder sekbst in den Urlaub und ebenso subjektiv ist das Empfinden über das Vorgefundene.
iel Spass beim nächsten Aufenthalt,

Tommy
Viele Grüße

Tommy

Immer wieder gerne auf Mauritius und im Meer darunter ;-))
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Beitragvon Claudi » Mo Jan 23, 2006 20:38

Hallo

Ich gehöre zwar zur Spezie der am Strand liegenden und lesenden Faultiere und bin auch noch bekennender Hotelbewohner, habe aber deinen Bericht trotzdem weitergelesen.

Ich finde du beschreibst Mauritius in vielen Punkten sehr sehr gut.
( Müll, Trauminsel, nette Einwohner ). Man sollte ein Land auch immer mit offenen Augen betrachten.

Ich möchte mich als Strandlieger aber gegen den Eindruck wehren, daß man als solcher Mauritius und seine Einwohner nicht kennenlernen kann.
Wir waren schon oft da und haben schon viele Freundschaften geschlossen. Man kann von einem Hotel aus auch auf eigene Faust tolle Ausflüge machen und Land und Leute kennenlernen.

Wir haben mit unserem Sohn auch schon eine Grundschule besucht, war ein tolles Erlebnis.

Aber ich liege halt auch mal gerne nur an diesem Traumstrand und genieße den Ausblick oder lese.

Die Hotels sind auch nicht ganz so teuer wie beschrieben. Habe nachgeschaut unser Hotel 4 Sterne kostet 160€ ( was man als Pauschaltourist aber nicht bezahlen muss) . Sicher nicht billig und immer noch ein vielfaches dessen was ein Zimmermädchen verdient.
Aber es gibt einige sogenannte Trauminseln die noch viel teurer sind und die Einheimischen noch weniger verdienen.

Ich finde in Mauritius die Bevölkerung am eindrucksvollsten. Sie leben friedlich und zufrieden und für sie ist ihre Heimat ein echtes Paradies.
Wer kann das von sich schon auch behaupten.

Nach jedem Aufenthalt auf Mauritius, wenn wir wieder zurück im hektischen Deutschland sind denke ich mir, um wieviel fröhlicher und zufriedener in wesentlich bescheideneren Verhältnissen die Mauritianer leben.

Ich beneide sie oft auch wenn ihre Insel sicherlich kleine Macken hat.

Claudia

PS: Schwarzwälderkirschtorte ist mir ehrlich, Gott sei dank, noch nicht begegnet !!!
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Beitragvon Mike+Tina » Mo Jan 23, 2006 23:17

Hallo kestrel, mal ein etwas anderer Reisebericht, aber in den meisten Fällen zutreffend. Genau wie Claudia sind wir, meine Frau und ich, komfortverwöhnte Resortnutzer. Dazu stehen wir auch und haben trotzdem weitergelesen. Im Urlaub geniessen wir auch die Möglichkeit, mal ein paar Tage am Traumstrand zu liegen und zu faulenzen. Diese Luxus- und Mittelklasseresorts müssen ja auch leben :lol: . Natürlich haben wir auch einen großen Teil der Insel auf eigene Faust erkundet.

Dazu noch zwei Anmerkungen:

Dass es Seeigel an den Stränden von Mauritius (und auch in vielen anderen Ländern) gibt, ist bekannt. Ich kann aber nicht davon berichten, dass die Küsten von Seeigeln verseucht sind. An "unserem" Badestrand in Wolmar habe ich nicht einmal einen gesehen. Trotzdem sollte man natürlich vorsichtig sein...

Pauschal von einem Leihwagen abzuraten, finde ich etwas übertrieben. Okay, wer hier in Deutschland schon Probleme im dichten Verkehr hat, ist dann dort im Linksverkehr natürlich etwas überfordert. Aber wer sich durch etwas hektische Fahrweise anderer Verkehrsteilnehmer nicht beeinflussen lässt, sollte ruhig einen Leihwagen nehmen und auf eigene Faust die Insel damit erkunden. So schlimm, wie von dir beschrieben, habe ich die Mauritianer auf der Straße nicht kennengelernt. Und mit dem Linksverkehr hatte ich, bis auf das ständige Verwechseln von Blinker und Scheibenwischer :mrgreen: , von Anfang an keine Probleme. Aber wie gesagt, ich kann hier nur für mich sprechen.

Schönen Abend und liebe Grüße
Michael
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Beitragvon kestrel » Sa Jan 28, 2006 12:22

@ Tommy
@Claudi
@Mike & Tina

Meine Bemerkung zu den Seeigeln ist wohl etwas zu drastisch ausgefallen, denn ich wollte mich nicht über die Anwesenheit von Seeigeln am Strand beschweren sondern nur angesichts der beobachten Vorfälle vorsichtshalber darauf hinweisen, da es immer noch Touristen gibt, die sich ohne Schutz in die Fluten stürzen. Diese Meersbewohner, die natürlich fast weltweit verbreitet sind, sind am puren Sandstrand (wie in Wolmar) kein Problem, da sie sich nicht auf dem weichen Sand festhalten können. In Le Morne oder Belle Mare jedoch ist der Sandstrand schon nach wenigen Metern, d.h. schon im knietiefen Wasser von Steinen oder Minifelsen durchsetzt, die sehr wohl mit Seeigeln besiedelt (nicht verseucht !) sind. Ich persönlich gehe ohne Schutz prinzipiell nirgendwo auf der Welt ins Meer, am liebsten mit Flossen, dann habe ich auch mehr Power, um gegen die je nach Gezeiten nicht zu unterschätzenden Strömungen anzuschwimmen. Zur Beruhigung besorgter Gemüter sei gesagt, dass die Strömungen in Flic en Flac und Le Morne durchwegs parallel zum Strand treiben und nicht Richtung Riff hinaus aufs Meer. Ich fände es schade, wenn meine Ausführungen dazu führen würden, dass noch mehr Touristen das Meer lediglich als Kulisse betrachten (da täte es auch eine Fototapete) und nur noch im Swimmingpool planschen (da empfehle ich die Jahreskarte für die nächste heimische Therme).



Es freut mich, wenn auch bekennende Hotelfaulenzer, die ich durchaus respektiere, ebenfalls Kontakt zu den einheimischen Bewohnern finden und so angenehme Erfahrungen gemacht haben. Gegen Mietwagen bin ich ansonsten nicht grundsätzlich abgeneigt, ich befürchte nur, dass früher oder später der Mietwagenverkehr auf so einer kleinen Insel (35 km x 15 km) überhand nimmt. Die früher beschauliche und für Wanderungen optimale Nachbarinsel Réunion ist zwischenzeitlich berühmt berüchtigt für ein wahnsinnig hohes Verkehrsaufkommen, was vornehmlich von Touristen verursacht ist, die in möglichst kurzer Zeit möglichst Alles sehen wollen. Dieser Kurzzeittourismus (7-10 Tage) gehört meines Erachtens sowieso verboten, da er alles andere als umweltverträglich ist.

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Beitragvon Ini » Sa Jan 28, 2006 14:51

Hi Kestrel!

Bin ganz deiner meinung, dass es besser ist, wenn nicht alle touris mit dem auto durch die gegend fahren, die nerven mich nämlich manchmal ganz schön, wenn ich am steuer sitze.... :wink) Nee, im ernst: wie schon in einer antwort gesagt: wer generell schnell die nerven wegwirft beim autofahren, der sollte sich die umstellung auf linksverkehr und mauritianische fahrweise nicht antun, das ist sicher für alle gesünder. ich bin mittlerweile schon sehr oft dort gefahren und hab kein problem damit. klar ist der verkehr gewöhnungsbedürftig, aber ich hab schnell gemerkt, dass gerade das überholen in sichtweite des gegenverkehrs auf die gegenseitige rücksichtnahme aufbaut, und ehrlich, wenn du hinter einem zuckerrohrtransporter herzuckelst, dann bist du auch froh, wenn dich der entgegenkommende überholen lässt und sich kurz mal einbremst.

dass der verkehr aber durch die touris so viel stärker werden würde, bezweifle ich, denn wenn du dir ansiehst, wie wenig leute man an den sehenswürdigkeiten im schnitt antrifft, dann sieht man schon, wie viele im vergleich dazu ohnehin nur im hotel bleiben.

ich hab jedenfalls den eindruck, dass der verkehr ohnehin immer mehr wird - hab den vergleich seit 14 jahren - und das ist nur logisch, wenn man den wirtschaftlichen aufschwung betrachtet. es gibt eben immer mehr leute, die sich ein auto leisten können (klar, noch lange nicht so viel wie bei uns), und auch wenn ich mir wünschen würde, dass weniger los wär auf den straßen, wer würde es diesen wunderbaren menschen missgönnen wollen, dass sich der fortschritt dort auch in der zunehmenden mobilität ausdrückt!? ich hoffe allerdings, dass sich die regierung bald für den bau von einem pendlerzug entscheidet, und es mit der bereits geplanten strecke auch nicht bewenden lässt - wäre echt wichtig, um den straßenverkehr zu entlasten.

lg,
ingrid

p.s.: fand deine sonstige beschreibung übrigens in weiten teilen ganz treffend - bemühe mich auch trotz meiner großen liebe zu diesem land immer, einen realistischen, kritischen blick zu bewahren. und klar ist auch mru kein paradies ohne fehl und tadel - wichtig ist aber doch immer nur, ob die bilanz stimmt. und die fällt für mich eben hochpositiv aus!
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Beitragvon kestrel » Di Feb 07, 2006 17:37

Als Nachtrag noch ein paar Worte zu den Kosten:

Für den eingangs beschriebenen Urlaub von 4 (in Worten: vier) Wochen sind pro Person Kosten in Höhe von 1.350 € angefallen, davon 729 € für den Direktflug mit Condor, der Rest für Transporte, Unterkünfte und Verpflegung.
Damit ist unsere persönliche Schmerzgrenze beim Urlaubsbudget von umgerechnet 100 DM/Pers*Tag ganz knapp unterschritten, was natürlich nur durch eine besondere Langsamkeit beim Reisen erreicht werden kann.


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Beitragvon kestrel » Mo Sep 04, 2006 12:55

Nochmal etwas zu den besonders lieben Menschen auf Mauritius:


Wir haben schon viele Urlaubsbekanntschaften rund um die Welt gemacht - manchmal auch mit dem Adressentausch und dem obligatorischen Versprechen, sich zu schreiben. Bis auf ganz wenige Ausnahmen wurden unsere Briefe (gefüllt mit Erinnerungsbildern) nie beantwortet.

Aus Mauritius erhielten wir zu unserer Überraschung nicht nur einen Antwortbrief sondern gleich ein Paket mit sehr persönlichen und liebevoll ausgesuchten Geschenken (der materielle Wert spielt hier keine Rolle).

Angesichts der Tatsache, dass wir in Deutschland etwa das 25-fache wie der normale Familienvater auf Mauritius verdienen, sind wir etwas beschämt.

Übrigens, die einzig lästige Berufsgruppe hinsichtlich mutwillig erzwungener Urlaubskontakte waren Lehrer, die im Vergleich zu allen anderen Berufsgruppen, insbesondere zu den Arbeitern in der Landwirtschaft, auch (wie bei uns) stark überbezahlt sind.

Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht und hat jemand einen Tipp, womit man Brief-/Paket-Freunden am besten eine Freude machen kann (außer natürlich wiederzukommen) ?

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Weitestgehende Zustimmung!

Beitragvon Miri » Mi Jan 10, 2007 19:24

Hallo Kestrel!

Wir waren 1983 erstmalig auf Mauritius, dann 1992, 2000, 2003, 2004 und 2005 - bezeichnen uns deshalb schon ein wenig als langjährige Kenner der Verhältnisse.

Ich kann nur bestätigen, was Du über inbesondere die einheimische Bevölkerung bemerkt hast. Wobei sich in deren Verhalten natürlich aufgrund der stetig wachsenden Touristenzahlen auch einges verändert hat. Wieso soll es auf Mauritius auch anders sein als im Rest der Welt? Nichts ist so beständig wie die Veränderung!

1983 haben wir genau das gemacht (obschon "Pauschaltouristen" und "tropentechnisch" völlig unbedarft), was Du propagierst: Wir sind eben nicht nur im Hotelghetto (damals Merville, Perybere) geblieben sondern haben uns ein Taxi gemietet und ließen uns vom Fahrer (Gott hab ihn selig, leider ist er vor einigen Jahren verstorben; wir hatten ihn aber 1992 wieder 14 Tage lang "quasi persönlich" gebucht) SEINE Insel, nicht nur die Tourismusrouten (die waren aber natürlich auch dabei), zeigen. Ein ganz tolles Erlebnis - im Laufe der 14 Tage, die wir damals mit ihm zusammen verbracht haben, waren wir bei ihm zuhause (Wellblechhütte, ganz toll angelegt, richtig nett und gemütlich, ganz tolle Familie), haben seinen Bruder (der hatte beim Pferderennnen eine größeren Betrag gewonnen und ein gemauertes Haus !) kennen gelernt. Also echt "Einheimischen-Anschluss" ! Was wir da an Gastfreundschaft erlebt haben, hatte uns damals schon (und es ist heute noch so!) die Schamesröte ins Gesicht getrieben. Wénn ich ab und zu erelebe, wie "wir Deutschen" mit Fremden umgehen......!

Ums kurz zu machen:

Das größte "Asset" der Mauritianer sind wirklich die Mauritianer selbst !!! Ich war noch nie in einem Land (und ich bin privat und beruflich weit herum gekommen) ein so aufgeschlossenes, fröhliches, gastfreundliches, trotz aller religiösen und ethnischen Vielfalt friedlich zusammen lebendes Völkchen erlebt, wie die Mauritianer !! Allein dieser Umstand wird uns, nach einer kleinen "Verschnaufpause", wieder nach Mauritius führen! Im Jahre 2005 haben wir im Hotel Le Victoria sogar einen "alten Bekannten" von 1983 als Restaurantleiter wiedergetroffen!! Ein tolles Wiedersehen - und danach natürlich auch immer ein Bombenservice!

Soviel zum GUTEN!

Aber, wie alle Medaillen, hat auch diese ihre Kehrseite:

Was uns besorgt macht (natürlich gönnen wir allen Touristen eine tollen Urlaub im "Paradies") ist die weiterhin vonstatten gehende Hotelexploration (Gott sei Dank ist die mauritianische Regierung clever genung, nicht NUR auf den Tourismus sondern auch auf neue Technologien zu setzen!), der zunehmende "Pauschal-Billigtourismus" (wobei Mauritius Got sei Dank nie ein zweites Malle werden wird) und, das aber ganz besonders, die Zerstörung der Lagunen-Riffe durch extensiven, motorisierten Wassersport. Verglichen mit vor über 20 oder 15 Jahren (s.o.) ist die heutige Unterwasserwelt in den Lagunen nur noch ein Torso dessen, was sie einst war. Heute muss man eben Bootstouren machen und zu "versteckten" Stellen fahren um noch Unterwasser-Paradiese zu finden.

Ich hoffe, dies alles klingt nicht zu egoistisch - aber der Mensch neigt ja dazu, in der (schöneren) Vergangenheit zu schwelgen. Man kann es dem mauritiansichen Volk nicht verdenken wenn es auch sein Stück am großen Kuchen abhaben will. 1983 war die Masse wirklich noch bettelarm! Das sieht heute schon sehr viel besser aus. Es sei Ihnen gegönnt. Sie sollten nur mit Bedacht ihre Wirtschaft und Gesellschaft weiter entwickeln. Und dazu können die/wir Touristen auch beitragen:

Nehmt Kontakt zu den Einheimischen auf, lernt etwas über die Kultur(en), nehmt auch ein Beispiel an der Liebenswürdigkeit und Toleranz der Mauritianer! Wenn´s überall auf der Welt so funktionierte, wie auf (dem eigentlich überbevölkerten) Mauritius - was wäre das für eine friedliche Welt ohne Aggression und Terrorismus!

Das erleben zu dürfen, ist allemal eine Reise nach Maurtius wert!!!

Harald
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Beitragvon Mauritius » Di Jun 12, 2007 12:45

Vielen Dank für deinen Bericht.

Eigentlich wollte ich mich hier im Forum anmelden, um eventuell noch ein paar Fragen zu meinem nächsten Urlaub zu stellen aber die Fragen hast du schon beantwortet.

Ich erkunde gerne die Flora und Fauna zu Fuß, mit dem Fahrrad, Bus oder Taxi aber dies scheint in Mauritius nicht möglich zu sein.

Vielleicht stelle ich mich dann noch lieber auf einen "Nur-Bade-und-Schnorchel-Urlaub" ein oder fliege wieder auf die Seychellen.

Schönen Gruß
Mauritius
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