... eine kleine Anekdote zum "Reisebaustein" Flughafen-Transfer.
Immer wieder ist zu lesen, daß - mit einem Taxi auf der Insel sich fortzubewegen -, die bequemste Art ist, Mauritius zu erkunden.
Überspitzt formuliert, reichen dabei die Lobeshymnen von Aussagen wie: "... die Fahrer kennen Ihre Insel - wie Ihre Westentasche..." und "... sie fahren Dich den ganzen Tag dorthin, wohin Du willst..." bis hin zu "... sie zeigen Dir interessante Sachen auch abseits vom Tourismus, (Achtung
Vorsorglich weise ich noch darauf hin, daß ich hier keinesfalls pauschalisieren will, davon ausgehe, daß es sich dabei um einen der krassesten Einzelfälle überhaupt handelt, und die Begebenheit an jedem Ort der Welt hätte passieren können.
Im Flughafengebäude erwartete uns schon der vorbestellte Taxidriver - nennen wir ihn Mr. Joshishewagar - geschätztes "Alter" zwischen 25 und 30. Da wir zu sechst anreisten, mußte das Transfervehicle zwangsläufig etwas größer ausfallen und wir waren ganz gespannt, welch abenteuerliches Gefährt es diesmal sein würde. Soweit so gut, ein üblicher Schmalspur-VAN eben.
Während wir Mr. Joshishewagar bei schweißtreibender frühmorgendlicher Hitze beim Verstauen von 8 Koffern + 6 Handgepäcktaschen halfen
, fragte ich ihn, ob er wüßte wohin er fahren müsse. Mr. Joshishewagar sagte: "JA", er wisse wo es ist.
Nachdem unsere lustige Truppe nach 1 1/2h Port Louis passierte und 20 min später die ersten Häuser von Trou aux Biches in Sicht kamen, schaute ich kurz auf meine Anfahrtsbeschreibung, um für mich die örtlichen Gegebenheiten mit der gezeichneten Karte und dem beschriebenen Straßenverlauf abzugleichen.
Auf der Karte, die auch Mr. Joshishewagar von seinem Chef bekommen hatte, war eindeutig zu erkennen: An der T-Kreuzung der Polizeistation rechts, nach 200m links, bis zum Ende der Straße, letztes Anwesen rechts. 1 Paar sollte hier "abgeliefert" werden.
Für die 2 anderen Paare lautete die Beschreibung präzise und prägnant: An der Polizeistation vorbei, nach dem Casuarina-Hotel die 3. Straße rechts, 1. Einfahrtmöglichkeit links, 3. Haus auf der linken Seite - mit weißen Säulen und Meerwasserpool im Vorgarten.
(Wohlgemerkt, die Entfernung zwischen beiden Objekten beträgt in etwa 2,5 km
Nun, zu meiner nicht öffentlich gezeigten Verwunderung
fuhr Mr. Joshishewagar an der Polizeistation vorbei
. Gut, dachte ich mir, liefert er bestimmt zuerst die anderen vier ab. ... Doch plötzlich setzt er das Fahrzeug hinter dem Casuarina auf den Grünstreifen, schaut sich die Karte an ... wendet und fährt die 2km wieder zurück... allerdings wieder an der Polizeistation vorbei
- 3 km Richtung Port Louis.
Hier konnte mittlerweile etwas nicht stimmen und ich erklärte Mr. Joshishewagar vorsichtig noch einmal, daß 1 Pärchen in die Nähe der Polizeistation und die 2 anderen Paare nahe des Casuarina Hotels gebracht werden wollten. Vorsichtig deshalb, da es keinesfalls überheblich wirken sollte. Er will mir ja schließlich "seine" Insel zeigen und nicht ich ihm.
Nachdem er 2min per Handy
- wild mit der Karte gestikulierend - mit seinem Chef die "aussichtslose" Lage besprochen hatte, drehte der Monster-Van mit einer Staub aufwirbelnden 180° Wende und raste in Richtung Polizeistation zurück
, bog vor dieser rechts ein... und nahm die 1. Straße rechts
; statt nach 200 m links.
Mr. Joshishewagar kurbelte - nachdem er das "Spassmobil" zum Anhalten brachte - sein Fenster herunter, sprach mit einem Passanten
, fuhr 10 m, hielt wieder an, sprach - für mauritianische Verhältnisse doch schon recht angefressen
- mit dem nächsten Passanten
... jeweils ohne Ergebnis
.
Danach holte ich wieder meine Anfahrtsbeschreibung vor (die übrigens mit seiner identisch war) und besprach mit ihm
, er möge doch bitte - von der Polizeistation
aus gesehen - 200m geradeaus fahren und danach in die 1. Querstrasse links abbiegen ...also von unserem derzeitigen Standpunkt wieder zurück zur Kreuzung, rechts, nach 100m links. Die Äußerung, die danach von unserem Fahrer kam,... kann ich heute noch nicht glauben, was da Mr. Joshishewagar von sich gab...
Er sprach: "Wenn Sie es besser wissen, wo ich langfahren soll, fahren Sie doch.
" Und das in einer Art und Weise artikuliert, die keinen Spielraum für Fehlinterpretationen zuläßt.
Mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht habe ich mir im Stillen gedacht, genau das mache ich nächstes Mal auch
.
Das Spassmobil drehte in der Sackgasse wieder um und steuerte auf die Kreuzung zu... und wir waren alle "wie Pfeil und Bogen" aufs Äußerte gespannt, ob er wohl links oder diesmal endlich rechts abbiegt
... zu unserer aller Erleichterung bog er rechts ab
!!!
Doch plötzlich hält er - zum Entsetzen aller nach 50m wieder rechts an
... und befragt den nächsten Passanten
... nach dem Weg.
Nach geschlagenen 40 Minuten Auf- und Abfahrt durch den Ort setzte Mr. Joshishewagar uns (Paar Nr.1) mit unserem Gepäck ab
... und machte sich mit den 4 verbliebenen Leuten
- nachdem ich ihm vorsichtshalber noch einmal gesagt habe
, er möge bitte hinter dem Casuarina-Hotel o.g. Beschreibung folgen - ... auf die Reise. Im wahrsten Sinn des Wortes.
Im Kühlschrank wartete zum Glück schon eine kühle Coke (mit einer Flasche GreenIsland zum verdünnen) auf uns
, worauf wir uns kopfschüttelnder, schmunzelnder Weise mit dem Drink im Liegestuhl am Pool niederließen
und auf den interessanten Beginn des Urlaubs anstießen
.
Was jetzt noch kommt, werde ich mein Leben nicht vergessen.
... Nach 20 min klopft es an der Tür
. Davor steht ... Mr. Joshishewagar
und der Rest der Spass-VAN-Truppe, denen das Entsetzen nun mittlerweile förmlich im Gesicht geschrieben stand
. Mit der Aussage: "Mr. Joshishewagar
findet die Straße nicht, er hat mittlerweile auch irgendwo seine Karte verloren."
Ich ging zum Pool, holte mein gefaltetes Anfahrtsbeschreibungs-A4-Blatt und gab sie ihm
.
Bis hierher war für uns ja noch alles irgendwo recht lustig, doch dann passierte das Dreisteste überhaupt.
Mr. Joshishewagar sagte zu uns, daß diese Fahrten 2 Transfers seien und er wolle nach Ablieferung der anderen Paare die doppelte Transfersumme kassieren.
Darauf entgegnete ich ihm
, ob er diesen Unsinn ernst meine
. Schließlich hätte er das 1. Paar entsprechend "zustellen" können; 2,5 km
Die Quintessenz - nach insgesamt 60 Minuten Odyssee durch den Ort - landete auch der Rest von uns im - jetzt endgültig- wohlverdienten Urlaub.
Tja, entweder konnte Mr. Joshishewagar nicht lesen (das wäre noch entschuldbar), die Kartographiekenntnisse tendierten offensichtlich gegen 0 und ich bezweifle entschieden, daß der Mensch wußte, was der Unterschied zwischen rechts und links ist.
Als Taxifahrer sind diese Fähigkeiten eigentlich elementar - auch auf Mauritius.
Die Anekdote endet damit, daß Mr. Joshishewagar von uns nie mehr gesehen ward und auf dem Rücktransfer kamen wir (ohne Diskussion und unaufgefordert
Abschliessend zu bemerken: Äußerst positiv ist dabei die Tatsache zu bewerten, daß die Mauritianer nicht nur wissen, wie man "Service" schreibt, sondern auch wie man den eigen formulierten Serviceanspruch umsetzt.
Sicher kann nicht immer alles zur vollsten Zufriedenheit verlaufen und generell funktionieren, aber man kann es im Nachhinein entsprechend analysieren und für Verbesserungen und/oder einen Ausgleich sorgen.
Da kann sich so manch inländische Firma hier in D eine Scheibe abschneiden - aber eine ganz gewaltig Große.
Schöne Grüße und ... ich fahr ab jetzt nur noch selber auf Mauritius
Antje















. So haben im Nachgang alle noch was davon - Dank Mr. Joshishewagar 
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